Das Leben ist ein Weg, Schritt für Schritt gehen wir unser Leben und wissen nicht immer, wohin der Weg uns führt. Wenn man so will, ist es oder kann es ein Pilgerweg sein, einem bestimmten Ziel entgegen. Die Ziele sind unterschiedlich. Und manchmal kommt es anders als man denkt. Eine Frau hatte für sich bestimmte Ziele gesetzt. Und es kam anders. Madeleine Delbrel (1904-1964) hatte sich bewusst vom Glauben an Jesus abgewandt, als sie mit 20 Jahren plötzlich eine tiefgreifende Bekehrung erlebte. Statt in ein Kloster zu gehen, entschied sie sich als Christin mitten in der Gesellschaft zu leben und zog mit zwei weiteren Gefährtinnen in eine Stadt (Ivry-sur-Seine), einem von der Arbeiterbewegung und dem Kommunismus geprägten Vorort von Paris. Dort arbeitete sie als Sozialarbeiterin und lebte ihr Christsein aktiv im Dienst an und für den Nächsten. Neben ihrer Arbeit verfasste sie viele Texte. Folgender Text beschreibt den Weg, wie Gott im Alltag begegnet werden kann. Der Weg selbst ist bereits ein Ort der Gottesbegegnung. Ich muss nichts wissen, nichts mitbringen, nichts leisten, er kommt zu mir wie ich bin, wenn ich offen bin für ihn. Delbrel schreibt:
Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
geht so auf die Begegnung mit ihm zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs
zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht,
ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.
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Gehen wir in unseren Alltag hinein, unterwegs unserem Ziel entgegen.