Nehmen wir uns die Zeit, um durchzuatmen. Schauen wir kurz von der Arbeit weg für einen Moment für uns.
Wenn wir jetzt an den Feldern vorbeifahren, leuchtet uns das kräftige Rot der Mohnblume schon von Weitem entgegen. Sie fällt auf. Sie bringt Farbe in unseren Alltag und sie blüht so auffällig, als wolle sie sagen: Schaut her, bin ich nicht schön? Kommt näher und betrachtet mich. Doch wenn man sie pflücken wollte, merkt man schnell: Ihre Blütenblätter sind hauchdünn und zart und fallen bei der kleinsten Berührung ab. Wunderschön ist sie, aber gleichzeitig extrem zerbrechlich.
Diese Zerbrechlichkeit begegnet uns jeden Tag bei der Arbeit. Man sieht sie in den Augen der Menschen, um die wir uns kümmern. Wir sehen ihre Kräfte schwinden, wir spüren sie auch bei den Angehörigen, die mit der Situation ringen. Wenn wir ehrlich sind, spüren wir diese Zerbrechlichkeit auch bei uns selbst immer dann, wenn wir an unsere Grenzen stoßen, wenn wir selbst belastet sind, wenn die Energie nachlässt.
Wenn wir auf Gott schauen, dürfen wir uns gewiss sein, dass Gott nicht einer ist, der von uns Stärke und Perfektion verlangt. Jesus selbst spürte seine eigene Zerbrechlichkeit, wenn er an seine Grenzen gestoßen ist, in seinen Traurigkeiten, durch die erfahrenen Ablehnungen, durch Verlassenheit, in seinem Leiden. Doch daraus erwachsen ist nicht Schwachheit und Tod, sondern Kraft und Leben in Fülle durch seine Auferstehung.
Noch etwas offenbart uns die Mohnblume: Eine einzelne Mohnblume am Wegesrand verblüht schnell. Aber auf dem Feld stehen sie zusammen und stützen sich in den Wogen des Windes. Auch wir können uns gegenseitig stützen und Lasten teilen, wenn wir Momente der Zerbrechlichkeit spüren.
Guter Gott, du kennst unsere Kraft und unsere Zerbrechlichkeit. Wir bitten dich heute um ein offenes Ohr füreinander und ein verständnisvolles Herz. Lass uns wie die Mohnblumen zusammenstehen, wenn der Wind im Alltag rauer wird. Schenke uns gute Gedanken und ein starkes Miteinander. Amen.